Kinder-Capoeira

Capoeira Angola

für Kinder ab 3 Jahren

 

mit Anna, Thiago und Rono Lima


 

 

 Die afro-brasilianische Kampftanzkunst Capoeira ist ein Dialog ohne Worte, der Kindern den Spaß an Spiel und Sport vermittelt. Die Verbindung von Bewegung, Musik und Gesang macht aus der Capoeira ein ganzheitliches Erlebnis.


Das Erleben steht in unserem Kurs im Vordergrund. Die Kinder können Kraft ihrer Phantasie für 1 Stunde in die Rolle eines Capoeiristas schlüpfen.


Da schwingt ein Kind sein Bein wie einen Rochenschwanz und ein anderes taucht als flinker Krebs darunter durch, angefeuert von Rhythmus der Trommeln und dem Gesang seiner Mitspieler. Geht es einmal zu heiß her, dann wird aus dem Kampf ganz schnell ein Tanz und eine akrobatische Einlage jagt die nächste. Nach einer kurzen Pause zur Stärkung begeben wir uns in den Dschungel, auf der Suche nach dem großen Schatz der alten Meister.


Dabei lernen die Kinder spielerisch ihre Bewegungen zu koordinieren, bauen ihre Motorik aus und entwickeln ihre Musikalität. Die Interaktion mit anderen Kindern und das Einlassen auf gemeinsame Regeln in der Gruppe fördern soziale Kompetenzen.

Kommt mit auf eine Reise zu den Capoeiristas nach Brasilien!  

 

für 3 - 6-Jährige:

Montags 16:00 - 17:00 Uhr (Anna)

Dienstags 16:15 - 17:15 Uhr (Thiago)

Donnerstags 16:15 - 17:15 Uhr (Rono)


für 6 - 11-Jährige:

Montags 17:15 - 18:15 Uhr (Anna)

Dienstags 17:30 - 18:30 Uhr (Thiago)

Donnerstags 17:30 - 18:30 Uhr (Rono)

 



Capoeira als Weltkulturerbe anerkannt, und auch bei Kindern sehr beliebt.

 

 

Im November letzten Jahres hat die UNESCO das afro-brasilianische Kampfspiel Capoeira in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen. Die Capoeiristas in Brasilien und auch in Berlin feierten dies mit Musik und virtuosen Tänzen - doch warum ist Capoeira eigentlich so beliebt?

Auf den ersten Blick mag es recht komisch aussehen: eine Gruppe von Kindern zwischen 3 und 6 Jahren, mit einem Knie und einer Hand am Boden abgestützt, bewegt die eigenen Körper äußerst langsam um die eigene Achse. In fast schwebender Haltung, das andere Bein nach oben angewinkelt, vermeiden die Kinder es sorgfältig, sich gegenseitig anzustoßen. Die Lehrerin erzählt dazu eine kleine Geschichte, begleitet vom rhythmischen Klang ihrer Berimbau – einem einsaitigen Musikbogen mit einer Kalebasse (der ausgehöhlten und getrockneten Hülle eines Flaschenkürbisses) als Resonanzkörper. Weiter geht es etwa mit Tiergeschichten, die die Kleinen zu improvisierten Bewegungen anregen oder dem gemeinsamen Nachahmen des Klangs der Musik. Diese Beispiele stammen aus dem Forum Brasil mit seinen Kursen der sehr beliebten Kinder-Capoeira, aber diese Form der Capoeira ist das Produkt einer langen dramatischen Geschichte.

Als ein rituell geformtes Spiel mit gemeinsam geteilten Regeln hat sich der Capoeira (wörtlich übersetzt: „Hahnentanz“) aus Wettkampfpraktiken herausgebildet, die im Umfeld der Plantagen bei den versklavten Arbeitern verbreitet waren. Die vor allem aus Westafrika in die Neue Welt verschleppten Menschen haben ihre kulturellen Traditionen mitgebracht und weiter praktiziert. Durchaus mit verletzenden, gefährlichen Angriffstechniken ausgestattet und allein mündlich überliefert, war Capoeira ein rituelles Geschicklichkeits-Training für junge Männer, das im Gefangenendasein der Sklaverei Sinn und Bedeutung bekam.

Insofern ist Capoeira eine Eigenschöpfung der unterdrückten schwarzen Bevölkerung und ihres Ringens um Befreiung. Im Verborgenen oder als Tanz getarnt, haben die afrobrasilianischen Sklaven an ihren Kampfritualen „gebastelt“, da die brasilianische Herrschaft sowohl die kämpferischen wie die spielerischen Formen verboten und polizeilich verfolgt hatte. Überlieferte Bildquellen zeigen gesellige Szenerien, gruppiert um einen spielerischen Wettstreit und keineswegs dramatische Auseinandersetzungen. Gelassenheit geht von einer Szene aus, in der ein Wettkampfspiel von Musik begleitet und von einer Pfeife rauchenden Frau beobachtet wird, während eine andere Frau ihre in Palmöl bruzzelnden Bohnenbällchen acarajé seelenruhig umwendet.

Bereits in den 1920er Jahren setzte sich die Tendenz durch, den Capoeira „abzurüsten“ und ihm als eine Form der Folklore und des Sports öffentliche Anerkennung zu verschaffen. Es bildeten sich mehrere academias in den großen Städten Brasiliens, Capoeira erhält Einzug in die Schulen und wird zu einem immer bedeutsameren Instrument der Pädagogik.

"Das Leben und die Liebe sind ein ständiger Kampftanz, der hohe Ansprüche an die Flugkunst der Menschen stellt. Capoeira lehrt, diesen Tanzkampf anzunehmen" (Piero Onori, Körperhistoriker und Philosoph).

 

Die modernen Formen der Capoeira, bei der die Bewegungen oft nah am Boden und elegant im Zeitlupentempo vollzogen werden, erlauben keinen Angriff, der sich nicht letztlich in spielerischer Andeutung und möglichst virtuoser Vermeidung jeglicher Berührung der Körper auflöst. Die Tänzer werden mindestens vom Klang des "Berimbau" und der Gesänge begleitet - eine voluminöse Atabaque-Fasstrommel, eine Agogô-Doppelglocke und Schellentamburine (Pandeiros) können hinzukommen. Es bedarf enormer Kunstfertigkeit im Umgang mit den eigenen Körperbewegungen, zumal sich im Rhythmus der Perkussionsinstrumente die Bewegungen der capoeiristas beschleunigen. Wer in der Runde auch nur einen Moment lang die Kontrolle über seinen Körper verliert, kann sich schon im nächsten Augenblick leichte Verletzungen zuziehen oder aus Unvorsichtigkeit anderen zufügen. Körperkontrolle und Improvisation, Spontaneität und gegenseitiger Respekt gehen Hand in Hand. Im Gegensatz zur Kolonialzeit finden Capoeira-Runden heute auch auf Straßen und Plätzen statt.

Der Kinder-Capoeira indes ist ein jüngerer Abkömmling, und er ist etwas sehr Besonderes. Im Zuge der Pädagogisierung der Capoeira sind die traditionellen Körperübungen an die kindlichen Bedürfnisse angepasst und zugleich mit Erzählungen, Liedern und  Anregungen bereichert worden. Aus dem afro-brasilianischen Erbe, das eine dramatische Geschichte erzählt, ist eine moderne Form der frühkindlichen Förderung von Selbstwirksamkeitserfahrungen geworden. Im Forum Brasil wird heute (neben der modernen Form der Capoeira de angola) vor allem der kreativere Kinder-Capoeira gepflegt. Er besteht vor allem aus Spielen, die neben der physischen Kondition auch Rhythmus und Musik, Phantasie, Nachahmungsvermögen, demokratische Teilhabe und umsichtiges Sozialverhalten einer kleinen gleichberechtigten Sportgemeinschaft miteinander verbinden.

Gerade bei sehr jungen Menschen beobachten die Kursleiterinnen immer wieder, wie Capoeira maßgeblich zum Reifen ihrer Selbstsicherheit beiträgt, egal ob sie 3, 6 oder 11 Jahre jung sind: „Am besten finde ich, wenn M. (die Lehrerin) Geschichten erzählt und wir uns dann so ähnlich bewegen wie die Tiere, von denen sie erzählt hat“, sagt die kleine Marie, die als Stofftier eine grüne Schlange mitgebracht hat, damit die Lehrerin eine Übung dazu einbringt. „Meine Tochter kennt bisher nur einen Wochentag mit Namen, den Montag, denn das ist ihr Capoeira-Tag“, sagt eine Mutter. Der junge Stefan meint: „Wenn die Geschichten toll sind, macht es richtig Spaß, zu was zu turnen, was in den Geschichten vorkommt…“ und kriecht seitwärts wie ein Krebs über das Parkett. Mit intensivster Aufmerksamkeit wenden sich die Kinder den körperlichen Bewegungen, Rhythmen, Klängen und Geschichten zu. Musikalität, Motorik, Sprechen, Phantasie, gemeinsame Regeln im Umgang miteinander – alles wird leichtfüßig eingeübt.