AKTUELLE VERANSTALTUNGEN

Kultur als Widerstand (Online-Event)

Filmvorführungen & Paneldiskussion (auf Deutsch)

Samstag, 12. Dezember 2020, 18:00 Uhr
Spendenempfehlung 5€ – Spenden sind hier möglich
Anmeldung unter:  info@forum-brasil.de (der Link wird am Tag der Veranstaltung zugeschickt)

Kunst und Kultur sind und waren stets ein wichtiger Bestandteil von Freiheitskämpfen sowie gesellschaftlichem und sozialem Wandel. Sie können ein Spiegel der Gesellschaft sein, jedoch auch eine Vision, ein Ausblick oder ein Brennglas auf das, was der gesellschaftliche und kulturelle Status Quo übersieht, verdrängt oder sich nicht vorstellen kann und will.

Schwarze und afrodiasporische Künstler:innen befinden sich oft schon allein durch die Darstellung und Präsenz ihrer Perspektiven innerhalb einer weißen Mehrheitsgesellschaft in einer Position des Widerstands. Ihre kulturellen Arbeiten sind treibende Kräfte und tragende Säulen von Communities und Movements, ebenso wirken sie in die Gesellschaft insgesamt hinein. Doch zugleich ist die Existenz als Resistenz und die künstlerische Arbeit jenseits des kulturellen Status Quos immer eine besondere Herausforderung und ein großer Kraftakt.

An diesem Abend widmen wir uns der filmischen Arbeit dreier afrodiasporischer Künstler:innen, und setzen uns anschließend auch im Gespräch weiter mit dem Thema Kultur als Widerstand auseinander.

Kurzfilmbeiträge:
– ‘MOXN’ von Poliana Baumgarten
– ‘I Need This In My Life’ von Fannie Sosa
– Ausschnitt aus ‘Herdeiros (Heirs)’ von Thais Nepomuceno

Paneldiskussion:
– Poliana Baumgarten (Filmemacherin vom gezeigten FIlm MOXN),
– Sandra Bilson (Reporterin/Redakteurin, Kulturwissenschaftlerin, aktuelle Teilnehmerin in AfroPolitan Berlin’s Projektwerkstatt You Got This mit ihrem Podcast “Tripple E”),
– Tessa Hartig (Projektleitung AfroPolitan Berlin) moderiert.

*** Die Diskussion findet in deutscher Lautsprache statt. Die Filme sind auch zum Teil auf Englisch oder Portugiesisch mit englischen Untertiteln.

Zu den Akteur:innen:

Poliana Baumgarten ist Videojournalistin und Cinematographin aus Berlin, die sich vornehmlich mit den diasporischen Realitäten und Erfahrungen von marginalisierten Menschen beschäftigt. In ihrer dokumentarischen WebSerie “Berliner Farben” wurden in 9 Folgen insbesondere nicht-Weiße Menschen und Mitglieder der LBGTIQ Community portraitiert, um eine Plattform zu schaffen, auf der stereotypische Bilder gebrochen und stattdessen Raum zur Darstellung und Sichtbarwerdung von individuellen Lebensrealitäten entsteht.
In Zusammenarbeit mit dem British Council, Deutsche Welle TV, dem rbb oder zuletzt Vogue.de hat sie Web-Serien und Videobeiträge produziert und realisiert, in denen marginalisiert Menschen sichtbar gemacht werden konnten, ohne stereotypische Bilder zu reproduzieren. Seit Juni 2018 ist sie Videojournalistin für das Online-Magazin ze.tt des Zeit Verlages.
Zuletzt ergründete sie in ihrem Kunstfilm „Moxn“ die Transformationen von Gender und Schwarzen Körpern und in ihrem Dokumentarfilm “preta”, die Lebensrealität Schwarzer Frauen im Norden Brasiliens. 2019 wurde sie vom Medium Magazin zu den Top 30 Journalist:innen unter 30 gewählt.
“Moxn” (ausgesprochen Moon) ist ein surrealistischer Kurzfilm über die Transformation und Fluidität von Schwarzen Körpern, Identität und Gender. Der Titel lehnt an die Schreibweise von WOMXN an, eine inklusivere und progressivere Schreibweise um Vorturteile, Diskriminierung und Marginalisierung zu stören, die aber auch Transfrauen und nicht-Weiße Frauen inkludiert

Fannie Sosa ist Afro-Sudaka-Aktivist:in, Künstler:in und Stipendiat:in und promoviert derzeit unter französisch-brasilianischer Ko-Direktion zu folgendem Thema promoviert: „Twerk/Torque: Antikoloniale Strategien für das Gedeihen und Überleben in Web 2.0 Zeiten“. Sosa schafft Wissenspakete mit gemischten Medien, die Performances, Videoinstallationen, Rundgespräche und erweiterte Workshops umfassen, wobei das Vergnügen als radikaler Akt des Widerstands für eine verkörperte afro-diasporische evolutionäre Praxis genutzt wird. Zu den aktuellen Projekten von Sosa gehören „Pleasure is Power“, eine Multimediakonferenz über heilende Bässe, sexuelle Autonomie und Oshunaleität, und „Black Power Naps“, eine Reihe von nicht gemischten Erholungsräumen auf der ganzen Welt, in Zusammenarbeit mit Navild Acosta.

Thais Nepomuceno wurde im Februar 1987 in Rio de Janeiro geboren. Sie wuchs in Vigário General, einem Viertel in Rio de Janeiro, auf. Derzeit lebt sie in Berlin, wo sie als Journalistin, Regieassistentin und Regisseurin der Live Cooking Show mit dem US-Koch Martin Yan auf der IFA 2019 gearbeitet hat. Außerdem hat sie als Rechercheurin für den Dokumentarfilm “Alma Clandestina” über den politischen Flüchtling Dora Barcelos, die in den 1970er Jahren in Berlin lebte, und für die Fernsehdokumentation „Unser Wald Brennt“, die von ProSieben im September 2020 ausgestrahlt wurde, sowie als Reporterin und Feldproduzentin gearbeitet. Zuletzt führte sie Regie bei der Livestreaming-Performance „Black Power Naps“ für das „Risk and Resilience Festival“, das von den „Sophiensaelen“ in Berlin veranstaltet wurde.
Der Dokumentarfilm „Herdeiros“ (Erben), der in der Favela von Morro da Serrinha in Rio spielt, erzählt die Geschichte des kulturellen und musikalischen Erbes der versklavten Afrikaner:innen im heutigen Brasilien. Er zeichnet die tiefen Wurzeln des Karnevals in dieser afro-brasilianischen Gemeinschaft und die Tradition der mündlichen Weitergabe der Kultur und Geschichte ihrer Vorfahren an die nächsten Generationen nach.

Sandra Bilson in eine Schwarze Deutsche mit einer Begeisterung für Vielfalt, Gleichberechtigung und Empowerment. Sie lebt in Berlin und beendet demnächst ihr kulturwissenschaftliche Studium. Sie hat als Redaktionsassistentin in Nachrichtenredaktionen, Rundfunkanstalten sowie als Reporterin, Workshopleiterin und Moderatorin für Jugendformate gearbeitet. Zurzeit ist sie als freie Mitarbeiterin für ein Jugendmagazin eines Unternehmens tätig und genießt den Dialog und den Austausch neuer Informationen und Perspektiven in ihrem Podcast Tripple E (https://anchor.fm/sandra-marita-bilson). Ihr Ziel ist es daher, fesselnde, bewegende und spannende Geschichten festzuhalten, sowie zu informieren und zu unterhalten. Zudem ist Sandra Redakteurin für RosaMag das Lifestyle Magazin für Schwarze Frauen und Freund:innen.

Titelfoto aus ‘MOXN’ by Poliana Baumgarten

Veranstaltung mit Teilförderung durch das Auswärtige Amt